„Lösungsansätze in der allgegenwärtigen Dopingproblematik“

eingestellt am 20.03.2017

Nicht nur einer Bestandsaufnahme und Analyse, sondern auch der Entwicklung konkreter Lösungsansätze widmete sich das 13. Stuttgarter Sportgespräch am 30. Januar 2017 in Stuttgart. Unter der Überschrift „Ist der saubere Sport noch zu retten?“ – dem Titel des Sportgesprächs – berichtet Denis Raiser im „Stuttgarter Wochenblatt“ vom 01.03.2017 auf Seite 6:

„Jedes Jahr erörtern Persönlichkeiten aus Sport, Politik, Wirtschaft, Kultur, Justiz und Medien beim Stuttgarter Sportgespräch grundlegende Fragen des Sports. In der 13. Auflage suchten die Teilnehmer nach Lösungsansätzen in der allgegenwärtigen Doping-Problematik.

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Podium des Stuttgarter Sportgesprächs 2017

STUTTGART. Doping, Doping, Doping. Im Sportjahr 2016 war es das beherrschende Thema in der Sportberichterstattung […] Doping ist das Krebsgeschwür des Leistungssports, darüber herrscht Einigkeit. Auch beim Stuttgarter Sportgespräch. „Aber die Situation ist heute nicht schlimmer als früher, sie ist nur offensichtlicher“, sagt Hajo Seppelt. Der Doping-Experte der ARD, der mit seiner Dokumentation über das russische Staatsdoping aus dem Jahr 2014 erheblich zur öffentlichen Wahrnehmung beigetragen hat, meint: „Das IOC hat in der Doping-Bekämpfung 30 Jahre lang komplett versagt.“ […]

„Wir haben sicher kein Erkenntnisproblem“, sagt Robert Bartko, Doppel-Olympiasieger im Bahnradsport und aktuell Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Das Thema ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wem soll man da als Zuschauer überhaupt noch glauben? Bartko fordert deshalb: „Wir als Sport müssen jetzt in die Offensive gehen, um unser Produkt zu retten.“ Die NADA tut dies bereits. „Ein Wegducken wird es mit uns nicht mehr geben“, sagt Mortsiefer. Er setzt sich für eine Internationalisierung des Anti-Doping-Kampfes ein. […]

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Dr. Lars Mortsiefer (NADA)

Vor allem die Spitzenorganisation, die Welt Anti-Doping Agentur (WADA), müsste mit viel mehr Geld und größerer Machtfülle ausgestattet werden. „Die WADA ist unglaublich wichtig“, sagt Seppelt, „aber sie ist in Teilen noch ein zahnloser Tiger“. Sie müsste die Kompetenz besitzen, Athleten künftig selbst zu sperren. Dazu müsste das IOC Macht abgeben. Aber die Entscheidung, wer bei den Spielen starten darf, wird man dort „niemals freiwillig aus der Hand geben“, ist sich Seppelt sicher. […]
Thomas Weikert, Präsident des Tischtennis-Weltverbands, versprach immerhin, den Vorschlag seinem Gremium zu unterbreiten. […]“

Zum 13. Stuttgarter Sportgespräch hatte Rechtsanwalt Marius Breucker von der Stuttgarter Kanzlei Wüterich Breucker im Eventcenter der SpardaBank 300 Teilnehmer begrüßt. Rechtsanwalt Matthias Breucker hatte in seinem Impulsreferat die Vorgänge um die Vorwürfe russischen Staatsdopings und die Reaktionen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und des Paralympischen Komitees (IPC) zusammengefasst. 

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Dr. Matthias Breucker (Kanzlei Wüterich Breucker)

Die Sportrechtsanwälte stellten auch die Frage, ob ein pauschaler Ausschluss von Sportlern ohne Nachweis individueller Schuld unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten vertretbar und der Legitimation des Anti-Dopingkampfs zuträglich sei. Einigkeit bestand im Ergebnis über die Notwendigkeit, die Teilnahme von Athleten an Veranstaltungen möglichst von objektiven Kriterien abhängig zu machen, die von unabhängigen Anti-Doping-Organisationen – etwa der WADA – überprüft und testiert werden. 


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