Deutscher Richterbund fordert Kodifikation des Sports

eingestellt am 08.06.2015

Der Deutsche Richterbund (DRB) nahm die Stellungnahme zum geplanten Anti-Doping-Gesetz zum Anlass, ein neues Regelwerk für den Sport zu fordern. Bei konkreter Kritik einzelner Regelungen begrüßt der DRB den Ansatz der Bundesregierung, Doping im Sport auch gesetzlich zu bekämpfen. Dies sei konsequent, da es sich beim Sport mittlerweile um einen Wirtschaftszweig mit Milliardenumsätzen handle.

Justitia-Statue

Der Deutsche Richterbund begrüßt ein Anti-Doping-Gesetz im Grundsatz, hält aber weitergehende Regelungen für notwendig.



Zugleich könne in einem Anti-Doping-Gesetz der Ansatz eines gesetzlichen geregelten Sportrechts liegen. Der Referentenentwurf greife aber zu kurz, da er „eine umfassende rechtliche Regelung des Sports“ nicht ersetzen könne, so der Deutsche Richterbund in seiner Stellungnahme von 27. Februar 2015. Der Sport, so der DRB, sei auf international einheitliche Regelungen angewiesen. Da es sich um einen Berufs- und Wirtschaftszweig von erheblicher Bedeutung handle, müssten die dort getroffenen Entscheidungen auch unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten letztlich von staatlichen Gerichten überprüfbar sein.

Der Richterbund greift damit Forderungen nach einem kodifizierten Berufsrecht des Sports auf, die Sportrechtsexperten seit längerem diskutieren: In einem Debattenbeitrag in der Stuttgarter Zeitung formulierten Tobias Schall, Christoph Wüterich und Marius Breucker: Die Herausforderung des Sportrechts liege darin, „nicht einzelnen, scheinbar isolierten Problemen hinterher zu rennen, sondern rechtsgestaltend tätig zu werden und dort, wo notwendig, ein „Berufsrecht des Sports“ unter Wahrung der Autonomie zu erarbeiten“.
 
MB-Interview-Stuttgart

Rechtsanwalt Marius Breucker: „Langfristig brauchen wir ein international kodifiziertes Berufsrecht des Sports“



Ziel dürfe dabei nicht eine Beschneidung der Befugnisse der Sportverbände sein, die grundrechtlich durch die Verbandsautonomie geschützt sind. Vielmehr müsse der Staat einen Rechtsrahmen schaffen, der es dem Sport ermöglicht, innerhalb einheitlicher gesetzlicher Leitplanken seine Belange selbst zu regeln und eine reibungslose Ausübung des Sports zu ermöglichen.


Christoph-Wueterich-SSG

Rechtsanwalt Christoph Wüterich: „Sport als weltweiter Wettbewerb funktioniert nur mit einheitlichen Regeln“


Denn die zunehmenden Gerichtsverfahren mit sportrechtlichem Hintergrund sind letztlich ein Ausdruck des Umstandes, dass das geltende Recht in vielen Bereichen den Besonderheiten des professionellen Sports nicht Rechnung trägt. Da der Sport davon lebt, auch international nach einheitlichen Regeln betrieben zu werden, müsste eine Kodifikation des Sports international ausgestaltet werden.

Vertiefende Informationen zur Diskussion von Rechtsexperten und dem Vorschlag des Deutschen Richterbundes zu einer Kodifizierung des Sportrechts unter:

http://unternehmen-heute.de/news.php?newsid=281506




Kommentare

- Es sind noch keine Kommentare vorhanden. -