Marius Breucker: „Wir erwischen zu oft die Unachtsamen!“

eingestellt am 29.11.2011

Vortrag „Sportrecht und Doping“ an der Hochschule Pforzheim am 22.11.2011

In einem Vortrag an der Hochschule Pforzheim forderte der Stuttgarter Sportjurist Dr. Marius Breucker dazu auf, im Anti-Doping-Kampf nicht nachzulassen. Von Rückschlägen dürfe man sich nicht entmutigen lassen. Auf die Frage, weshalb trotz zahlreicher Dopingproben offenbar „professionelle“ Doper nicht oder erst sehr spät erwischt würden, sagte Breucker: „Es stimmt, man erwischt noch zu oft die Unachtsamen, zu selten die professionellen Doper“. Dies dürfe aber nicht zu Fatalismus führen: „Auch Diebstahl werden wir nicht ausrotten, gleichwohl plädiert keiner dafür, ihn zu legalisieren“, sagte Marius Breucker vor circa 100 Zuhörern. Es gelte vielmehr, den Anti-Doping-Kampf zu effektivieren. „Der Abschreckungseffekt darf nicht unterschätzt werden“, wies Breucker auf einen zusätzlichen Aspekt von Dopingproben hin. Diejenigen, die durch die zahlreichen Wettkampf- und Trainingskontrollen von Doping abgehalten werden, tauchen in keiner Statistik auf. Die Zahl sei aber sicherlich erheblich.

Der Stuttgarter Sportjurist verwies in seinem Vortrag auf die andere Seite der Medaille im Anti-Doping-Kampf: Bei aller Bemühung, Doping zu bekämpfen, dürften rechtsstaatliche Grundsätze nicht außer Acht gelassen werden. „Die Legitimation des Anti-Doping-Kampfes leidet erheblich mehr, wenn ein Unschuldiger verurteilt wird, als wenn zehn Unschuldige nicht gefasst werden“, sagte Breucker. Hoffnung verspreche langfristig unter anderem der verstärkte Einsatz von Blutprofilen: „Auf diese Weise ist es möglich, individuelle Abweichungen von der Norm des einzelnen Sportlers zu registrieren und hieraus Schlussfolgerungen zu ziehen“. Man brauche dann nicht mehr immer eine positive Probe, um einen Doper zu überprüfen. Bei einem solchen indirekten Nachweis müssten aber wie in allen Fällen strenge rechtsstaatliche Grundsätze gelten. Hier sei besondere Sorgfalt gefordert. Eine Verurteilung dürfe nur erfolgen, wenn die Blutparameter nach einhelliger Auffassung unabhängiger Experten nur auf Doping zurückzuführen sein können, forderte Marius Breucker, der regelmäßig die WADA und NADA berät und vertritt.

Bericht der Hochschule Pforzheim über den Vortrag von Marius Breucker „Doping und Sportrecht“ vom 22.11.2011:

http://www.hs-pforzheim.de/de-de/wirtschaft-und-recht/bachelor/wirtschaftsrecht/aktuelle_veranstaltungen/vortrag_sportrecht_und_doping/seiten/inhaltseite.aspx




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